Annegret Plänitz

Katze mit ausgekugeltem Gelenk

Unser Kater Cosimo

Unser Kater Cosimo

Im Sommer 2005 hatte unser Kater Cosimo einen Autounfall, vermuten wir zumindest. An einem Freitag Abend kam er humpelnd an und hatte sich in der Garage verkrochen. Ich wohnte mittlerweile nicht mehr zu Hause und so erreichte mich die Nachricht nur übers Telefon.
Da das Wochenende vor der Tür stand und ich aufgrund früherer Ereignisse mit dieser Katze ruhiger auf solche Katastrophennachrichten reagiere, haben wir erst einmal abgewartet.
Am Montag ging es ihm jedoch immer noch nicht besser, im Gegenteil: er hat sich nicht mehr geputzt, kaum gefressen und er hielt seine rechte Pfote sehr unnatürlich von sich gestreckt.

So bin ich Montag mit ihm zum Tierarzt. Per Abtastung und Röntgen wurde ein ausgerenktes Ellenbogengelenk mit Sehnenriss diagnostiziert. Ich war zuerst sehr erleichtert, so war ich doch der Meinung, solch ein Problem lässt sich leicht beheben. Falsch gedacht, die liebreizende Tierärztin hat mich aufgeklärt, dass keinerlei Hoffnung mehr bestehe und das Tier eingeschläfert werden müsse.
Röntgenaufnahme vom Ellenbogengelenk

Röntgenaufnahme vom Ellenbogengelenk

Wenn man versuchen würde das Gelenk einzurenken, würde das zu 99% nicht halten, zum einen, weil sämtliche Bänder gerissen waren und zum anderen, lag der Unfall schon 3 Tage zurück. Die Tierärztin wollte bereits einen Termin zum Einschläfern mit mir vereinbaren :'(.

So richtig konnte ich das nicht akzeptieren. Die Katze schien trotz der Verletzung glücklich, hat viel geschnurrt und sich über jede Streicheleinheit und Aufmerksamkeit gefreut. Er sah nicht aus, als wolle er sterben.
Ich habe die nächste Zeit erst einmal viel gegoogelt und herum telefoniert. Nach meiner Recherche war ich der Meinung das Beim amputieren zu lassen, wäre die beste Lösung. Nun ist die Entscheidung eine Katze auf 3 Beinen leben zu lassen auch eine Art Glaubensfrage. Viele mit denen ich geredet hatte, meinten diese Entscheidung wäre Tierquälerei. Selbst die Tierärztin reagierte mit Unverständnis.
Ich war jedoch der Meinung ich kenne meinen Kater gut genug, um zu wissen, er würde damit sehr schnell klar kommen und sich an die neue Situation gewöhnen. Zusätzlich hatte ich positive Erfahrungsberichte über Beinamputation bei Haustieren im Internet gelesen.
Katze im Käfig

Katze im Käfig


So habe ich nun einen Termin zur Amputation beim Tierarzt (diesmal bei einem anderen) vereinbart. Ich brachte die Katze hin und dort wurde er ein zweites mal gründlich untersucht. Nebenbei warum muss eigentlich jeder Arzt seine eigenen teuren Röntgenaufnahmen anfertigen lassen?
Es war bereits fast eine Woche vergangen und ich hatte mich mental vollständig auf Amputation eingestellt. Nun fragt mich doch am Morgen der Operation der behandelnde Arzt, warum ich das Gelenk denn nicht richten lassen würde? Das wäre doch ganz einfach: Gelenk einrenken und mit Nägeln die Bänder befestigen.
Oh weh, und damit kommt er jetzt. Nach einigem Nachhaken, habe ich eine positive Prognose von 80% von dem Arzt erhalten. Okay, also spontan umentschieden: die Katze bekommt Schrauben ins Gelenk.
Katze mit Verband

Katze mit Verband

Fünf Stunden später, die Operation ist gut verlaufen, keine Komplikationen, die Katze soll noch über Nacht beobachtet werden und kann am nächsten Tag abgeholt werden. Klingt super toll, aber jetzt ging's erst richtig los. Wohlüberlegt hat mich der Arzt erst nach der OP über den Aufwand, der die nächsten Wochen auf mich zukommen sollten, aufgeklärt.
Die Katze muss die nächsten 8-10 Wochen ruhig gestellt werden. Sie muss die gesamte Zeit über liegen (ohne Beruhigungsmittel oder ähnliches). Alle 4-5 Tage muss durch einen Tierarzt der Verband gewechselt werden.

Meine Eltern hatten keine Zeit solch einen Aufwand zu übernehmen. Es blieb nichts anderes übrig als die Katze zur mir in mein damals 11qm großes Wohnheimzimmer zu nehmen. Zum Thema Bewegungseinschränkung konnte ich vom Tierheim Dresden einen Mehrschweinkäfig ausleihen mit genug Platz für Katze, Decke, Fressnapf und Katzenklo (siehe Bild).
Der Verband ist ab

Der Verband ist ab

Es war ganz praktisch, dass gerade Prüfungszeit an der Uni war. Somit konnte ich rund um die Uhr zu Hause sein, und aufpassen, das die Katze nicht aus dem Käfig ausbricht.
Von meinen Eltern konnte ich den Trabant ausleihen (die Katzen lieben ihn ...) um die regelmäßigen Tierarztbesuche erledigen zu können.

Hart war das Rausschmuggeln der Katze aus dem Wohnheim (sind natürlich keine Haustiere erlaubt). Decke über den Katzenkorb und hoffen, dass er wenigstens wenn's drauf ankommt, z.B. wenn mir der Hausmeister gerade entgegenläuft und mich nett grüßt, die Klappe hält.
Sieht schlimm aus, die Wunde war aber gut verheilt :)

Sieht schlimm aus, war aber gut :)

Nach fünf Wochen kam dann der Verband endlich ab. Ein großer Schritt ist geschafft. Die Wunde ist gut verheilt und die Tierarztbesuche fielen jetzt auch weg.
Mittlerweile hat die Katze sich auch an ihre "Gefangenschaft" gewöhnt und akzeptiert das ständige Liegen.

Bevor er endlich nach 10 Wochen wieder Heim in den elterlichen Garten durfte, wurde er ab Woche 8 richtig depressiv: er hat fast gar nix mehr gefressen, selbst die Leckerlis hat er vermieden, reagierte nicht mehr auf Umgebungsgeräusche, hat sich kaum mehr bewegt, nicht mehr gespielt, wie als hätte er aufgegeben. Dabei war doch fast alles überstanden.
Ein Jahr nach dem Unfall

Ein Jahr nach dem Unfall

Sobald er jedoch wieder zu Hause war, sich frei bewegen durfte, seine alte Umgebung wieder erkannt hat, haben die Depressionen sich schlagartig aufgelöst.

Heute ist er wieder fit und fröhlich. Man merkt ihm dahingehend den Unfall noch an, dass er sehr kuschelig geworden ist und immer Menschen um sich herum haben will.
Er ist auch noch lange Zeit sehr vorsichtig die Treppen runter gelaufen, aber mittlerweile klettert er wieder auf Bäumen und Dächern herum und tollt im Garten umher.

Thema Kosten ist vielleicht noch interessant: 410€ allein die Operation und noch mal 130€ zusammen die Vor- und Nachuntersuchungen. Wir haben jetzt also eine echt teure Katze daheim :).